Was kommt nach der digitalen Edition?

Digitale Editionen sind wissenschaftlicher Alltag geworden. Die erschließende Wiedergabe historischer Dokumente findet heute selbstverständlich digital statt, vernetzt, offen zugänglich, in mehreren Repräsentationsformen zugleich. Wenn die grundsätzliche Diskussion um analog oder digital beendet ist, verschieben sich die Fragen. Wir debattieren nicht mehr, ob digitale Methoden sinnvoll sind, sondern wie wir sie einsetzen und wozu. Neben technischen Herausforderungen, die fortbestehen oder neu entstehen, drängen andere Fragen in den Vordergrund. Nur Beispiele: Was ist im postdigitalen Zeitalter der „Text“ – zwischen Stabilität und Fluidität, zwischen materieller Überlieferung und prozessualen Datenströmen, zwischen Autorität und Demokratisierung? Wie verändern sich Quellen- und Textkritik und der ihnen inhärente Erkenntnisprozess unter dem Einfluss von generativer KI, wenn Maschinen als „Erstleser“ Dokumente transkribieren, interpretieren und annotieren? Welche Affordanzen digitaler Medien jenseits ihres Inkunabelzustandes als Simulationen von Druckmedien leiten Überlegungen zur Publikation? Kommen wir allmählich in die Zeit der medialen Präsentation als (wie man früher sagte:) Mash-Up oder Transklusion? Welche Verantwortung tragen Editionen für die Authentizität der präsentierten Edenda und ihre Vertrauenswürdigkeit? Wie können Editionen offen, zugänglich und zukunftsfest gemacht werden?

Eine Grundbeobachtung steht hinter allen anderen Fragen: Daten bilden den Inhalt und Kern der Edition und die Daten selbst sind vor allem fluide, prozessual und vernetzt. Hat dann aber die Edition als Form noch Bestand, oder löst sie sich auf? Und wie müssen wir die Modelle und Prozesse, die zu den Daten führen, ggf. neu denken?

Das Institut für Dokumentologie und Editorik (IDE) lädt anlässlich seines 20jährigen Bestehens dazu ein, diesen Fragen auf der internationalen Konferenz Editopia gemeinsam nachzugehen. Unter Postdigital verstehen wir dabei eine Welt, in der digitale Werkzeuge und Denkweisen nicht mehr primär als Gegensatz zum Analogen begriffen werden, sondern als Fundament geisteswissenschaftlicher Arbeit und damit als Grundlage für darüber hinausgehende Fragestellungen.

Die Konferenzwebseite hat die Adresse https://editopia2026.i-d-e.de/ .