Eckhard-Rezeption

”Diz sprichet ein hĂ´her meister” – Kritische Edition und Kommentierung von drei pseudo-eckhartischen Traktaten aus dem Kontext der Deutschen Mystik

(Von der ĂĽbervart der gotheit; Von dem anefluzze des vater; Von dem zorne der sĂŞle)

Die zentrale Bedeutung Meister Eckharts innerhalb der deutschen philosophischen Kultur des 14. Jahrhunderts ist unbestritten und hat in den letzten Jahrzehnten vielfältige Beachtung gefunden. Neben dem Denken des Thüringer Dominikaners und den auf dieses Denken einwirkenden literarischen und kulturellen Einflüssen galt und gilt das Interesse zunehmend auch der mannigfachen Wirkung der eckhartischen Schriften. Ein ebenso breites wie aufschlussreiches Feld der Eckhart-Rezeption liegt allerdings bis heute weitgehend brach: Es handelt sich um jene vorwiegend anonym verfassten volkssprachigen Traktate, welche die eckhartische Terminologie aufgreifen und innerhalb eines Feldes gemeinsamer Themen, die das intime Verhältnis von Gott und menschlicher Seele umkreisen, eigenständige philosophisch-theologische Denkfiguren generieren. Damit zeugen diese Traktate nicht nur von der Durchlässigkeit zwischen ‚Universitäts-’ und volkssprachigem Diskurs, sondern zudem von der Vitalität und Produktivität einer ‚vernacular theology and philosophy’.

Das Ziel des Projektes besteht darin, drei dieser Traktate in einer heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition vorzulegen. Die Wahl fiel auf die Traktate XI (‚Von der übervart der gotheit’), XIII (‚Von dem anefluzze des vater’) und XVI (‚Von dem zorne der sêle’) der Eckhart-Ausgabe Franz Pfeiffers (1857), da diese Texte eine Überlieferungsgemeinschaft bilden und sich zudem durch einen hohen Grad an philosophischer und theologischer ‚Mündigkeit’ auszeichnen. Die Edition will dabei nicht nur einen zuverlässigen Text bieten – eine Grundforderung, welche die Pfeiffer-Ausgabe nicht durchgängig erfüllt –, sondern auch die Dynamik der Überlieferung abbilden, die sowohl in einer kontinuierlichen Neuzusammenstellung vorhandener Textbausteine als auch in redaktionellen Eingriffen in den Wortbestand zum Tragen kommt und von dem Bemühen zeugt, komplexe philosophische und theologische Sachverhalte eindeutig und korrekt in der Volkssprache wiederzugeben. Um dem Anliegen einer adäquaten Darstellung der komplexen Überlieferungslage gerecht zu werden, sind eine Buchedition – sie wird in synoptischer Anordnung die Hauptfassung jedes Traktats und bis zu drei weitere Fassungen bieten – und eine begleitende digitale Ausgabe geplant. Letztere vermag nicht nur die Varianz innerhalb der Traktate, sondern auch die Fluktuation zwischen den Traktaten durchsichtig zu machen.

Ergänzend hinzu treten zu der Edition ein Stellenkommentar, der die Traktate für eine weitergehende Interpretation erschließt, sowie eine neuhochdeutsche Übersetzung der jeweiligen Hauptfassung.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Events